Vorbild in der Ausbildung

Die Branche meistert seit 100 Jahren flexibel und innovativ die Herausforderungen des technischen Wandels. Dabei setzt sie auf eine zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildung. Die VSCI-Betriebe sind bekannt für ihre top Dienstleistungen.

(Bilder: VSCI) Eine flexible Branche mit viel Potenzial: Die VSCI-Carrosseriebetriebe sind mit einem breiten Dienstleistungsangebot nahe bei den Kunden. Mit dem Label «Top- Ausbildungsbetriebe» haben sie Pionierarbeit auch für andere Branchen geleistet.

Das Carrosseriegewerbe hat in den letzten 100 Jahren eine rege Entwicklung durchgemacht. Dies zeigt auch eindrücklich die Geschichte des Schweizerischen Carrosserieverbandes VSCI, der am 6. Juni sein grosses Jubiläum im Verkehrshaus Luzern feiern wird (vgl. Kasten). «Die Geschichte des VSCI ist ein Spiegel der Geschichte der Schweizer Autobranche: spannend und mit wechselnden Herausforderungen. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Carrossiers sich immer wieder neu erfinden mussten – und es erfolgreich auch taten», sagt Thomas Rentsch, Geschäftsführer des VSCI. Während vor 25 Jahren mehrheitlich Privatpersonen zu den Kunden gehören, sind es heute zum grössten Teil Versicherungen, Leasingfirmen, Schadensteurer und Partnerschaften mit Garagen. Dabei steht die Schadenssteuerung im Mittelpunkt.

Die VSCI-Fachbetriebe heben sich ab durch eine gute Struktur und Gesamtbild sowie durch ein anspruchsvolles Anforderungsprofil, dass den Kundenbereich, Personal, Infrastruktur etc. umfasst. «Grössere Betriebe zeichnen sich als Eurogarantbetriebe aus. Sie sind noch professioneller und breiter aufgestellt und erfüllen noch höhere Standards. Auch die Anforderungen an die Carrossiers haben sich massiv verändert: «Heute wird schon lange nicht mehr nur Blech bearbeitet. Jede Stossstange verfügt über Sensoren. Ohne Diagnosegerät und Know-how bezüglich Elektrik und Elektronik geht gar nichts mehr», stellt Rentsch fest. Auch die Schadensthematik hat sich gewandelt. «Ein mittlerer Schaden bei einem günstigen Auto wird von der Versicherung schnell zum wirtschaftlichen Totalschaden deklariert. Denn der Werkplatz Schweiz ist teuer», so Rentsch. Auf der anderen Seite verhilft die Digitalisierung mit intelligenten Fahr- und Assistenzsystemen die Schadensquote zu vermindern.

Auf Augenhöhe ausbilden
Die Berufsbildung ist ein Kernthema des engagierten Verbandes. Rund 500 Lernende starten jährlich in einem Carrosserieberuf (Carrosserielackierer/-in EFZ, Carrosseriespengler/-in EFZ, Fahrzeugschlosser/-in EFZ oder Lackierassistent/-in EBA). Die Grundbildung der EFZ- und EBA- Berufe wurde in den letzten Jahren reformiert. «Leider ist es immer schwieriger, Lernende zu finden und es können nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden», bedauert Rentsch. Er führt dies auf den Trend zur Akademisierung aber auch auf falsche und veraltete Vorstellungen bezüglich der Carrossier-Berufe zurück. «Es ist schwierig, gute Handwerker zu finden», so Rentsch. Beim Beruf des Carrossierspenglers hat dies dazu geführt, dass in einem Projekt nun die Grundbildung völlig neu aufgegleist wird: Neu wird es eine dreijährige Lehre mit der Möglichkeit geben, ohne grossen Aufwand durch eine Zusatzlehre auch das vierjährige EFZ zu erlangen. Ebenso wurden in den letzten Jahren die Weiterbildungen zum Carrosseriefachmann oder Werkstattkoordinator modularisiert. Daraus resultiert jeweils Verbandszertifikate. «Dies ist ein innovatives System und erlaubt dem Unternehmer seinen Kompetenzbedarf zu analysieren, um so je nach Bedarf den Mitarbeiter gezielt auszubilden», so Rentsch.

Für die Zukunft will der VSCI weiterhin am Puls der Zeit bleiben und die zahlreichen Herausforderungen des Hightech-Zeitalters meistern.

Die Carrosseriebranche hat mit dem erfolgreichen Label «Top-Ausbildungsbetriebe» TAB ein innovatives Bildungsprojekt lanciert. Das Label soll nun schweizweit branchenübergreifend zur Anwendung gelangen. «Wir haben bereits eine Trägerschaft gegründet und das eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB unterstützt uns, was dem Label zusätzlichen Rückenwind gibt für die Umsetzung auch in der italienischen und französischen Schweiz», freut sich Rentsch. Er hat das Label mit Verhaltenstrainer Cristian Moro entwickelt. Das Projekt wurde 2017 von Altbundesrat Johann Schneider-Ammann mit dem «Enterprize» ausgezeichnet worden. Mit dem Label soll der Fokus auf die Qualität der Ausbildung gelegt, damit die Betriebe für Jugendliche attraktiv sind. Dazu gehören eine bessere Selektion der Lernenden erreicht, eine niveaugerechte Ausbildungsbegleitung und somit eine hohe Zufriedenheit aller beteiligten Partner. «Wichtig ist, mit den Lernenden ein gemeinsames Ziel zu haben, auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten und mit einem langfristigen Fokus auszubilden», so Rentsch. «Heute braucht die Wirtschaft Leute, welche die Fähigkeit haben, sich mit einer Problemstellung auseinanderzusetzen und selbstbewusst und eigenverantwortlich Lösungen zu finden. Sie müssen auch in unserer schnelllebigen Zeit flexibel mit einer neuen Situation umzugehen wissen», so Rentsch. Die Bemühungen zeigen bereits Früchte: Die Berufsverbände der Gärtner «Jardin Suisse» und der «Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband SMGV» haben sich bereits voll und ganz bei TAB angeschlossen und senden ihre Betriebe in die Ausbildung von TAB.

Für die Zukunft will der VSCI weiterhin am Puls der Zeit bleiben und die zahlreichen Herausforderungen des Hightech-Zeitalters meistern. Dass er dies schaffen wird, beweist er schon seit 100 Jahren.

Corinne Remund

www.vsci.ch
www.topausbildungsbetrieb.ch


100 JAHRE VSCI

Bald ein neuer Name

Der schweizerische Carrosserieverband feiert sein 100-jähriges Bestehen nicht mit einem Rückblick, sondern mit einem Blick in die Zukunft am 6. Juni im Verkehrshaus Luzern im Rahmen einer Jubiläums-Delegiertenversammlung sowie des Forums «Mobilität der Zukunft». Wie wird sich die Mobilität in den nächsten Jahren verändern, wer sind die Gewinner und wer Verlierer? Werden wir schon bald von autonomen Fahrzeugen ohne CO2-Ausstoss durch die Gegend chauffiert und gar durch die Lüfte sicher ans Ziel befördert? Ist die Entwicklung Segen oder Fluch?
Innovative Köpfe und ausgewiesene Experten stellen ihre Ideen vor und diskutieren unter der Leitung des bekannten Moderators Stephan Klapproth über Mobilitätskonzepte unter der Erde, auf der Erde und in der Luft. Der Anlass ist nicht nur für Carrossiers von höchstem Interesse, sondern für alle Menschen, die gerne mobil oder gar beruflich mit Mobilität beschäftigt sind.

Fusion und neuer Name
An der Delegiertenversammlung wird der Weg geebnet für die Fusion des Schweizerischen Carrosserieverbandes mit dem Westschweizer Verband Fédération des Carrossiers Romands FCR. «Ab 1. Januar 2021 wollen wir gemeinsam unter dem neuen Namen Carrosserie Suisse auftreten», erklärt VSCI-Geschäftsführer Thomas Rentsch.

CR

Ticketbestellung:
www.vsci.ch oder direkt www.bit.ly/ticketmobilitaetderzukunft


DAS MACHT DER VSCI

Für einen starken Auftritt

Der Schweizerische Carrosserieverband VSCI wurde 1919 gegründet. In dem Verband sind rund 650 Betriebe in der Deutschschweiz und im Tessin organisiert, welche sich in die Bereiche Nutzfahrzeuge und Personenwagen gliedern. 85 Prozent aller Mitglieder sind KMU mit einen bis zehn Beschäftigten. Bei den VSCI angeschlossenen Betriebe arbeiten rund 4500 Beschäftigte und bilden rund 2000 Lernende zum Carrosserielackierer/-in, Carrosseriespengler/-in, Fahrzeugschlosser/-in und Lackierassistent/-in aus. Der Branchenverband setzt sich für einen starken Auftritt seiner Mitglieder auf dem Schweizer Markt ein. Aktive VSCI-Sektionen, als Bindeglied zwischen Mitgliederbetrieben und Branchenverband gewährleisten den Draht zur Basis. Der engagierte Branchenverband unterstützt seine Mitglieder mit Dienstleistungen rund um die Berufsbildung, Qualitätsförderung, Arbeitgeber- und Umweltfragen sowie Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. In diesen Bereichen legt er die Rahmenbedingungen fest. Er pflegt den regelmässigen Dialog mit Behörden sowie politischen Instanzen der Wirtschaft und arbeitet mit Fachverbänden, Organisationen und weiteren Partnern zusammen. Auf politischer Ebene hat der Verband zusammen mit den Arbeitnehmervertretern einen Gesamtarbeitsvertrag GAV ausgearbeitet, der allgemein verbindlich ist. Mit diesem Netzwerk wird für die Carrosserien ein Marktumfeld geschaffen, indem sie in ihrer Unabhängigkeit bestehen können.

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